Johann Wolfgang von

Goethe

Wilhelm Meisters Lehrjahre

Wilhelm Meister’s Apprenticeship

Translated by Thomas Carlyle
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ERSTES BUCH

ERSTES KAPITEL

ZWEITES KAPITEL

DRITTES KAPITEL

VIERTES KAPITEL

FÜNFTES KAPITEL

SECHSTES KAPITEL

SIEBENTES KAPITEL

ACHTES KAPITEL

NEUNTES KAPITEL

ZEHNTES KAPITEL

EILFTES KAPITEL

ZWÖLFTES KAPITEL

DREIZEHNTES KAPITEL

VIERZEHNTES KAPITEL

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ZWEITES BUCH

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SECHZEHNTES KAPITEL

SECHSTES BUCH

BEKENNTNISSE EINER SCHÖNEN SEELE

SIEBENTES BUCH

ERSTES KAPITEL

ZWEITES KAPITEL

DRITTES KAPITEL

VIERTES KAPITEL

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COLOPHON

ERSTES BUCH

ERSTES KAPITEL

Das Schau­spiel dau­er­te sehr lan­ge. Die alte Bar­ba­ra trat ei­ni­ge­mal ans Fens­ter und horch­te, ob die Kut­schen nicht ras­seln woll­ten.
Sie er­war­te­te Ma­ria­nen, ihre schö­ne Ge­bie­te­rin, die heu­te im Nach­spie­le, als jun­ger Of­fi­zier ge­klei­det, das Pu­bli­kum ent­zück­te,
mit grö­ße­rer Un­ge­duld als sonst, wenn sie ihr nur ein mä­ßi­ges Abendes­sen vor­zu­set­zen hat­te;
dies­mal soll­te sie mit ei­nem Pa­ket über­rascht wer­den, das Nor­berg, ein jun­ger, rei­cher Kauf­mann,
mit der Post ge­schickt hat­te, um zu zei­gen, daß er auch in der Ent­fer­nung sei­ner Ge­lieb­ten ge­den­ke.
Bar­ba­ra war als alte Die­ne­rin, Ver­trau­te, Rat­ge­be­rin, Un­ter­händ­le­rin und Haus­häl­te­rin in Be­sitz des Rech­tes, die Sie­gel zu er­öff­nen,
und auch die­sen Abend konn­te sie ih­rer Neu­gier­de um so we­ni­ger wi­der­ste­hen,
als ihr die Gunst des frei­ge­bi­gen Lieb­ha­bers mehr als selbst Ma­ria­nen am Her­zen lag.
Zu ih­rer größ­ten Freu­de hat­te sie in dem Pa­ket ein fei­nes Stück Nes­sel­tuch und die neues­ten Bän­der für Ma­ria­nen,
für sich aber ein Stück Kat­tun, Hals­tü­cher und ein Röll­chen Geld ge­fun­den.
Mit wel­cher Nei­gung, wel­cher Dank­bar­keit er­in­ner­te sie sich des ab­we­sen­den Nor­bergs!
Wie leb­haft nahm sie sich vor, auch bei Ma­ria­nen sei­ner im bes­ten zu ge­den­ken,
sie zu er­in­nern, was sie ihm schul­dig sei und was er von ih­rer Treue hof­fen und er­war­ten müs­se.
Das Nes­sel­tuch, durch die Far­be der halb­auf­ge­roll­ten Bän­der be­lebt, lag wie ein Christ­ge­schenk auf dem Tisch­chen;
die Stel­lung der Lich­ter er­höh­te den Glanz der Gabe, al­les war in Ord­nung,
als die Alte den Tritt Ma­ria­nens auf der Trep­pe ver­nahm und ihr ent­ge­ge­neil­te.
Aber wie sehr ver­wun­dert trat sie zu­rück, als das weib­li­che Of­fi­zier­chen, ohne auf die Lieb­ko­sun­gen zu ach­ten,
sich an ihr vor­bei­dräng­te, mit un­ge­wöhn­li­cher Hast und Be­we­gung in das Zim­mer trat, Fe­der­hut und De­gen auf den Tisch warf,
un­ru­hig auf und nie­der ging und den fei­er­lich an­ge­zün­de­ten Lich­tern kei­nen Blick gönn­te.
»Was hast du, Lieb­chen?« rief die Alte ver­wun­dert aus. »Um’s Him­mels wil­len, Töch­ter­chen, was gibt’s?
Sieh hier die­se Ge­schen­ke! Von wem kön­nen sie sein, als von dei­nem zärt­lichs­ten Freun­de?
Nor­berg schickt dir das Stück Mus­se­lin zum Nacht­klei­de; bald ist er selbst da; er scheint mir eif­ri­ger und frei­ge­bi­ger als je­mals.«
Die Alte kehr­te sich um und woll­te die Ga­ben, wo­mit er auch sie be­dacht, vor­wei­sen,
als Ma­ria­ne, sich von den Ge­schen­ken weg­wen­dend, mit Lei­den­schaft aus­rief: »Fort! Fort! heu­te will ich nichts von al­lem die­sen hö­ren;
ich habe dir ge­horcht, du hast es ge­wollt, es sei so!
Wenn Nor­berg zu­rück­kehrt, bin ich wie­der sein, bin ich dein, ma­che mit mir, was du willst,
aber bis da­hin will ich mein sein, und hät­test du tau­send Zun­gen, du soll­test mir mei­nen Vor­satz nicht aus­re­den.
Die­ses gan­ze Mein will ich dem ge­ben, der mich liebt und den ich lie­be.
Kei­ne Ge­sich­ter! Ich will mich die­ser Lei­den­schaft über­las­sen, als wenn sie ewig dau­ern soll­te.«
Der Al­ten fehl­te es nicht an Ge­gen­vor­stel­lun­gen und Grün­den;
doch da sie in fer­ne­rem Wort­wech­sel hef­tig und bit­ter ward, sprang Ma­ria­ne auf sie los und faß­te sie bei der Brust.
Die Alte lach­te über­laut. »Ich wer­de sor­gen müs­sen«, rief sie aus, »daß sie wie­der bald in lan­ge Klei­der kommt, wenn ich mei­nes Le­bens si­cher sein will. Fort, zieht Euch aus!
Ich hof­fe, das Mäd­chen wird mir ab­bit­ten, was mir der flüch­ti­ge Jun­ker Leids zu­ge­fügt hat; her­un­ter mit dem Rock und im­mer so fort al­les her­un­ter!
Es ist eine un­be­que­me Tracht, und für Euch ge­fähr­lich, wie ich mer­ke. Die Ach­sel­bän­der be­geis­tern Euch.«
Die Alte hat­te Hand an sie ge­legt, Ma­ria­ne riß sich los. »Nicht so ge­schwind!« rief sie aus, »ich habe noch heu­te Be­such zu er­war­ten.«
»Das ist nicht gut«, ver­setz­te die Alte. »Doch nicht den jun­gen, zärt­li­chen, un­be­fie­der­ten Kauf­manns­sohn?«
– »Eben den«, ver­setz­te Ma­ria­ne.
»Es scheint, als wenn die Groß­mut Eure herr­schen­de Lei­den­schaft wer­den woll­te«, er­wi­der­te die Alte spot­tend;
»Ihr nehmt Euch der Un­mün­di­gen, der Un­ver­mö­gen­den mit großem Ei­fer an.
Es muß rei­zend sein, als un­ei­gen­nüt­zi­ge Ge­be­rin an­ge­be­tet zu wer­den.«
»Spot­te, wie du willst. Ich lieb ihn! ich lieb ihn! Mit wel­chem Ent­zücken sprech ich zum ers­ten­mal die­se Wor­te aus!
Das ist die­se Lei­den­schaft, die ich so oft vor­ge­stellt habe, von der ich kei­nen Be­griff hat­te.
Ja, ich will mich ihm um den Hals wer­fen! ich will ihn fas­sen, als wenn ich ihn ewig hal­ten woll­te.
Ich will ihm mei­ne gan­ze Lie­be zei­gen, sei­ne Lie­be in ih­rem gan­zen Um­fang ge­nie­ßen.«
»Mä­ßigt Euch«, sag­te die Alte ge­las­sen, »mä­ßigt Euch!
Ich muß Eure Freu­de durch ein Wort un­ter­bre­chen: Nor­berg kommt! in vier­zehn Ta­gen kommt er!
Hier ist sein Brief, der die Ge­schen­ke be­glei­tet hat.«
»Und wenn mir die Mor­gen­son­ne mei­nen Freund rau­ben soll­te, will ich mir’s ver­ber­gen.
Vier­zehn Tage! Wel­che Ewig­keit! In vier­zehn Ta­gen, was kann da nicht vor­fal­len, was kann sich da nicht ver­än­dern!«
Wil­helm trat her­ein. Mit wel­cher Leb­haf­tig­keit flog sie ihm ent­ge­gen!
mit wel­chem Ent­zücken um­schlang er die rote Uni­form! drück­te er das wei­ße At­las­west­chen an sei­ne Brust!
Wer wag­te hier zu be­schrei­ben, wem ge­ziemt es, die Se­lig­keit zwei­er Lie­ben­den aus­zu­spre­chen!
Die Alte ging mur­rend bei­sei­te, wir ent­fer­nen uns mit ihr und las­sen die Glück­li­chen al­lein.

Johann Wolfgang von Goethe
Wilhelm Meisters Lehrjahre / Wilhelm Meister’s Apprenticeship
Bilingual Edition
Translated by Thomas Carlyle

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