Johann Wolfgang von

Goethe

Novelle

Novella

Translated by Thomas Carlyle
Alignment and Amendments © Doppeltext 2012

TITLE PAGE

NOVELLE

COLOPHON

Ein dich­ter Herbst­ne­bel ver­hüll­te noch in der Frü­he die wei­ten Räu­me des fürst­li­chen Schloß­ho­fes,
als man schon mehr oder we­ni­ger durch den sich lich­ten­den Schlei­er die gan­ze Jä­ge­rei zu Pfer­de und zu Fuß durch­ein­an­der be­wegt sah.
Die ei­li­gen Be­schäf­ti­gun­gen der Nächs­ten lie­ßen sich er­ken­nen: man ver­län­ger­te, man ver­kürz­te die Steig­bü­gel,
man reich­te sich Büch­se und Pa­tron­täsch­chen, man schob die Dachs­ran­zen zu­recht,
in­des die Hun­de un­ge­dul­dig am Rie­men den Zu­rück­hal­ten­den mit fort­zu­schlep­pen droh­ten.
Auch hie und da ge­bär­de­te ein Pferd sich mu­ti­ger, von feu­ri­ger Na­tur ge­trie­ben oder von dem Sporn des Rei­ters an­ge­regt,
der selbst hier in der Halb­hel­le eine ge­wis­se Ei­tel­keit, sich zu zei­gen, nicht ver­leug­nen konn­te.
Alle je­doch war­te­ten auf den Fürs­ten, der, von sei­ner jun­gen Ge­mah­lin Ab­schied neh­mend, all­zu­lan­ge zau­der­te.
Erst vor kur­z­er Zeit zu­sam­men ge­traut, emp­fan­den sie schon das Glück über­ein­stim­men­der Ge­mü­ter;
bei­de wa­ren von tä­tig leb­haf­tem Cha­rak­ter, ei­nes nahm gern an des an­dern Nei­gun­gen und Be­stre­bun­gen An­teil.
Des Fürs­ten Va­ter hat­te noch den Zeit­punkt er­lebt und ge­nutzt, wo es deut­lich wur­de,
daß alle Staats­glie­der in glei­cher Be­trieb­sam­keit ihre Tage zu­brin­gen, in glei­chem Wir­ken und Schaf­fen je­der nach sei­ner Art erst ge­win­nen und dann ge­nie­ßen soll­ten.
Wie sehr die­ses ge­lun­gen war, ließ sich in die­sen Ta­gen ge­wahr wer­den,
als eben der Haupt­markt sich ver­sam­mel­te, den man gar wohl eine Mes­se nen­nen konn­te.
Der Fürst hat­te sei­ne Ge­mah­lin ges­tern durch das Ge­wim­mel der auf­ge­häuf­ten Wa­ren zu Pfer­de ge­führt und sie be­mer­ken las­sen,
wie ge­ra­de hier das Ge­birgs­land mit dem fla­chen Lan­de einen glück­li­chen Um­tausch tref­fe;
er wuß­te sie an Ort und Stel­le auf die Be­trieb­sam­keit sei­nes Län­der­krei­ses auf­merk­sam zu ma­chen.
Wenn sich nun der Fürst fast aus­schließ­lich in die­sen Ta­gen mit den Sei­ni­gen über die­se zu­drin­gen­den Ge­gen­stän­de un­ter­hielt,
auch be­son­ders mit dem Fi­nanz­mi­nis­ter an­hal­tend ar­bei­te­te, so be­hielt doch auch der Land­jä­ger­meis­ter sein Recht,
auf des­sen Vor­stel­lung es un­mög­lich war, der Ver­su­chung zu wi­der­ste­hen, an die­sen güns­ti­gen Herbst­ta­gen eine schon ver­scho­be­ne Jagd zu un­ter­neh­men,
sich selbst und den vie­len an­ge­kom­me­nen Frem­den ein eig­nes und selt­nes Fest zu er­öff­nen.
Die Fürs­tin blieb un­gern zu­rück; man hat­te sich vor­ge­nom­men, weit in das Ge­birg hin­ein­zu­drin­gen,
um die fried­li­chen Be­woh­ner der dor­ti­gen Wäl­der durch einen un­er­war­te­ten Kriegs­zug zu be­un­ru­hi­gen.
Schei­dend ver­säum­te der Ge­mahl nicht, einen Spa­zier­ritt vor­zu­schla­gen, den sie im Ge­leit Fried­richs, des fürst­li­chen Oheims, un­ter­neh­men soll­te.
»Auch las­se ich«, sag­te er, »dir un­sern Ho­no­rio als Stall- und Hof­jun­ker, der für al­les sor­gen wird.«
Und im Ge­folg die­ser Wor­te gab er im Hin­ab­stei­gen ei­nem wohl­ge­bil­de­ten jun­gen Mann die nö­ti­gen Auf­trä­ge,
ver­schwand so­dann bald mit Gäs­ten und Ge­fol­ge.

Johann Wolfgang von Goethe
Novelle / Novella
Bilingual Edition
Translated by Thomas Carlyle

This is an enhanced ebook. Click or tap on the text to display the translation.

Both the original work and the translation are in the public domain. All rights for the aligned bilingual editions and for the amended translations are owned by Doppeltext.

We offer many other innovative bilingual titles. Visit www.doppeltext.com to learn more.

We welcome your feedback and questions.

Doppeltext
Igor Kogan & Tatiana Zelenska
Karwendelstr. 25
81369 Munich
Germany
+49-89-76 75 55 34
www.doppeltext.com
info@doppeltext.com